Zentrum für kan Yu

Wissenschaft für Zuhause – Meditation messen?

Oder warum Forschungsergebnisse zwar spannend aber für die Meditation nicht wichtig sind.

War vor einigen Jahren Meditation noch ein völliges Tabu-Thema, als unwissenschaftlich und mystisch deklariert, stellen die Wissenschaftler jetzt fast wöchentlich neue Forschungsergebnisse über Meditation vor. Die meisten kommen aus der Neurobiologie, aber auch die Psychologie forscht vorwiegend in der Verhaltenstherapie und Psychodynamik intensiv in dieser Disziplin. Doch was wird da erforscht? Die Neurobiologie reduziert sich auf die Gehirnfunktion. Meditation messen! Die Psychologie reduziert sich auf die Funktionen der Psyche, wie beispielsweise den Umgang mit eigenen Gefühlen oder Konflikten. Alles andere wird von der Wissenschaft immer noch als unwissenschaftlich verschrien.

Dabei ist Meditation so viel mehr.

Es beginnt schon bei der Interpretation des Seelenbegriffes. So gilt dieser Begriff in der Psychologie als „Ort innerer Konflikte zwischen den Persönlichkeitsinstanzen“, wie es Dr. Joachim Galuska in seiner Veröffentlichung „Psychotherapie und Bewusstsein“ beschreibt. Weiter schreibt er, „kein aufgeklärter Mensch wird glauben, dass die Seele etwas konkretes ist, das man irgendwo im Gehirn findet.“ Dem kann ich nur hundertprozentig zustimmen. Die Seele ist etwas unbestimmbares, allumfassendes. Sie zu beschreiben ist nicht möglich, denn sie befindet sich jenseits unserer Sprache. In der Meditation ergründen wir sie über unser Herz und erfahren diesen unendlichen Raum.

Und dennoch…

nutzen auch wir die Arbeit der Wissenschaftler, indem wir mit den Forschungsergebnissen für Meditation werben, z.B. gestalten wir schöne Bilder auf unserer fb-Seite. Dabei sagen wir zwar nichts anderes, als das, was wir schon immer gesagt haben, aber…  nun gibt es die Beweise! Und in der heutigen Gesellschaft zählen Messergebnisse immer noch mehr als eigene Erfahrungen…

Deshalb war ich auch total neugierig,
als ich von dem Experience Science Festival in Berlin (31.10.-01.11.2014) gehört habe, und zwar von der Veranstaltung „Time Out Timeline – See your Brain in Mindfullness Meditation (with Neurofeedback). Laut Ankündigung konnte man im Workshop direkt seine Gehirntätigkeit während der Meditation sehen. Wow, Wissenschaft für Zuhause, ganz nah.

Hier meine Erlebnisgeschichte:

Ich betrat einen großen alten Fabrikraum. Warm war es, vielleicht schon überhitzt. In einem Teil des Raumes waren auf dem fad grün gestrichenen Betonboden schwarze Meditationsmatten mit grauen Decken ausgebreitet. Das Publikum war vom Alter her sehr gemischt, mehr männliche als weilbliche Zuhörer. Die beiden Dozenten, Henni Steinhart und Martin Sona, stellten sich als Psychologiestudenten der Uni Maastricht vor, die beide seit mehreren Jahren meditierten. Henni arbeitet an einer neuen Therapieform, die Meditation integriert, Martin forscht mit einem für den Endkunden entwickelten EEG-Sensor in seiner Verwendung für Neurostimmulation. Ihre einfache und lockere Art ließ die Trostlosigkeit des Raumes schnell vergessen, und so konnte die erste geführte Atemmeditation auch von den meisten Teilnehmern recht gut angenommen werden. Dann folgte der für mich spannende Teil des Workshops, die Anwendung des Gerätes. Dieses Ding sah von meiner Position aus, wie ein paar miteinander verbundene runde Flachbatterien, die mit zwei dünnen Gummibändern wie ein Stirnband aufgesetzt wurden. Leider, leider verwandelte sich die Anwendung in eine reine Vorführung, d.h. es kam zu keiner Anwendung. Schade, neben dem, dass ich jetzt wusste, wie der Sensor aussieht, wurden an die Wand Grafiken projiziert, die das Ergebnis einer Anwendung gewesen wären. Es gibt natürlich auch eine passende App dafür, nur die stürzte bei der Vorführung ständig ab,, so dass am Ende nur sehr viel erklärt wurde. Auch die letzte Achtsamkeitsmeditation half nicht über die allgemeine Enttäuschung hinweg. Es gab allerdings noch den Hinweis zu einem längeren Anwendungsworkshop demnächst in Berlin. Mal sehen, ob ich mich noch mal motivieren kann.

Über Sinn und Unsinn dieser Technik lässt sich streiten.

Die große Frage ist doch aber, wohin wollen wir uns entwickeln? Beim Joggen vertrauen wir dem Pulszähler, beim Meditieren einem EEG-Sensor? Mal ehrlich, wollen wir wirklich, dass Geräte uns sagen, wie es uns geht, oder ob wir gut genug waren? Ich bin ganz dankbar, dass ich noch selbst meinen Puls spüre und auch selbst weiß, dass ich meditiere.

Das alles mag ja interessant für unseren Verstand sein, aber für die Qualität der Meditation ist es völlig unwichtig. Die wird nicht besser durch ein Gerät, im Gegenteil: „Oft stört es sogar die Meditation, weil es am Kopf sehr spürbar ist“, so die beiden Studenten.

Zum Nachdenken ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe, aus seinem Roman Wilhelm Meisters Wanderjahre III:

„Der Mensch an sich selbst, sofern er sich seiner gesunden Sinne bedient, ist der größte und genaueste physikalische Apparat, den es geben kann. Und das ist eben das größte Unheil der neuen Physik, dass man die Experimente gleichsam vom Menschen abgesondert hat und bloß in dem, was künstliche Instrumente zeigen, die Natur erkennen, ja was sie leisten kann dadurch beschränken und beweisen will.“

Werden wir wieder zu dem hochsensiblen Messgerät, dass wir eins waren und steuern uns mit der Liebe in unserem Herzen. Messen wir Meditation an der Fülle der Liebe im Herzen.

Om namah shivaya

 

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Kun Ya Andrea Schmidt

Meditationslehrerin und Architektin bei Zentrum für Kan Yu
Meine Aufgabe sehe ich darin, Bewusstsein für Mensch, Raum und Verbundenheit in Liebe zu schaffen. In meiner Arbeit im Kan Yu und bei Integrale Vision empfinde ich große Dankbarkeit, wenn meine Kunden beginnen unsichtbare Energiestrukturen wahrzunehmen und ihre Potentiale zu schöpfen. Bei GesellschaftSEIN engagiere ich mich für mehr Menschlichkeit.
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